Der zweite Tag war der erste echte New-York-Tag und direkt komplett vollgepackt: morgens mit der PATH nach Manhattan, Crown Access in der Freiheitsstatue, Ellis Island, 9/11 Memorial, High Line und abends Giants gegen Eagles im MetLife Stadium. Am Ende standen ueber 38.000 Schritte auf der Uhr.
Der Vorteil an unserem günstigen Hotel in Jersey City war nicht nur der Preis, sondern auch die Lage. Im Nachhinein war es genau richtig, einen Tag früher zu fliegen. So mussten wir nicht am Tag des NFL-Spiels erst ankommen, sondern konnten morgens halbwegs frisch in den ersten vollen Tag starten. Halbwegs frisch heißt in diesem Fall: Wir waren schon gegen sechs Uhr wach. Die Nacht war kurz, aber dafür war die Vorfreude riesig.
Das Frühstück im Hotel war ein klassisches Continental Breakfast. Kein kulinarisches Highlight, aber völlig in Ordnung und für den Start in so einen Tag genau richtig. Überraschend war eher, wie viel Deutsch wir im Frühstücksraum hörten. Vielleicht war das Hotel gerade bei Booking besonders günstig, vielleicht war New York in dieser Woche einfach voll mit Deutschen. Es sollte uns jedenfalls noch öfter auffallen.
Gerade an diesem Morgen merkte man, warum die zusätzliche Nacht in Jersey City so sinnvoll war. Wären wir erst an diesem Tag gelandet, hätten wir niemals so entspannt zur Freiheitsstatue und später zum Spiel fahren können. So hatten wir zwar wenig Schlaf, aber keinen echten Reisestress mehr. Der Jetlag spielte uns sogar ein bisschen in die Karten: Früh wach zu sein ist in New York kein Nachteil, wenn man Tickets für die erste Fähre Richtung Liberty Island hat.
Mit der PATH ging es dann direkt nach Manhattan. Für mich ist das Tap-to-pay-System inzwischen einer der angenehmsten Punkte beim Nahverkehr in New York: Kreditkarte hinhalten, durchlaufen, fertig. Keine Tageskarte, kein Aufladen, kein Herumstehen am Automaten. Wir stiegen am World Trade Center aus und standen damit direkt mitten in Lower Manhattan.
New York City ist überwältigend, aber gut planbar. Wer Stadtteile, Subway, Hotel-Lage und Tagesrouten sinnvoll kombiniert, erlebt mehr als nur Times Square.


Von dort schlenderten wir Richtung Battery Park. Gerade am Morgen hatte die Stadt eine tolle Mischung aus Hektik und Ruhe. Hohe Glasfassaden, ältere Gebäude dazwischen, kleine Plätze, unerwartete Sportflächen mitten in Manhattan. Es sind oft genau diese Nebenmomente, die New York so besonders machen. Man plant die großen Sehenswürdigkeiten, aber hängen bleibt dann auch ein Basketballplatz zwischen Hochhäusern oder ein Straßenzug, in dem plötzlich alles ein bisschen ruhiger wirkt.
Im Battery Park holten wir im Castle Clinton unsere Tickets für die Freiheitsstatue ab. Gebucht hatten wir schon im Voraus: Fähre, Liberty Island, Ellis Island und Crown Access für 25,80 Dollar. Das war für dieses Erlebnis ein unglaublich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Gerade der Crown Access ist stark limitiert, und wir hörten später auch von Leuten, die gerne hochgewollt hätten, aber keine Tickets mehr bekommen hatten.



Castle Clinton selbst war ebenfalls spannender, als ich erwartet hatte. Innen gab es eine kleine Ausstellung dazu, wie sich das Gebiet entwickelt hat. Früher war hier wirklich Wasser und ein vorgelagerter Verteidigungspunkt, heute ist es mitten in einem großen Park am Rand von Manhattan. Gegen 8:41 Uhr ging es dann auf die Fähre. Anfangs war noch wenig los, am Ende war das Schiff aber so voll, dass viele stehen mussten. Oben an Deck war der Blick auf die Skyline trotzdem spektakulär.
Auf Liberty Island liefen wir direkt zur Statue. Nach der Sicherheitskontrolle ging es zuerst in den Sockel und dann weiter nach oben. Die Treppe zur Krone ist eng, steil und windet sich in einer Doppelhelix durch das Innere der Statue. Genau das machte es aber so besonders. Man sieht innen die Konstruktion, die Verkleidung, das Gewand und bekommt ein Gefühl dafür, dass dieses Wahrzeichen nicht einfach nur eine Figur auf einem Sockel ist, sondern ein beeindruckendes Stück Ingenieurskunst.
Tipps für Freiheitsstatue und Ellis Island in New York: offizielle Tickets, Fähre, Crown Access, Pedestal, Sicherheitskontrolle, Preise und Besuchsdauer.



Richtig besonders wurde es ab dem Moment, in dem man das Bändchen für den Crown Access vorzeigen durfte. Ab da war klar: Jetzt geht es wirklich in die Krone. Oben ist nicht viel Platz und die Zeit ist begrenzt, aber allein dort zu stehen, direkt unter den kleinen Fenstern, war ein Highlight der ganzen Reise. Ich hatte lange gedacht, dass das gar nicht mehr möglich ist. Umso schöner war es, diesen Punkt wirklich erlebt zu haben.
Nach dem Abstieg nahmen wir uns noch Zeit für das Statue of Liberty Museum. Dort wird die Entstehung der Statue sehr anschaulich erklärt: wie sie gebaut wurde, welche Idee dahintersteht und warum sie bis heute so eine starke Symbolkraft hat. Besonders schön fand ich, dass es nicht nur um ein Bauwerk geht, sondern um den Gedanken von Freiheit und Ankommen. Danach ging es mit der Fähre weiter nach Ellis Island.


Das Ellis Island National Museum of Immigration ist grundsätzlich großartig aufgebaut. Es erzählt die Geschichten der Menschen, die über diesen Ort in die USA kamen, und zeigt sehr eindrücklich, wie viel Hoffnung, Angst und Bürokratie an diesem Ankunftsort zusammenkamen. Gleichzeitig muss ich ehrlich sagen: Nach Freiheitsstatue, Crown Access und der ganzen frühen Lauferei fehlte uns irgendwann die Energie, komplett in jedes Detail einzusteigen. Manchmal ist ein Ort zu groß für den Kopf, wenn der Tag schon zu voll ist.
Zurück am Battery Park liefen wir zum 9/11 Memorial. Die beiden großen Becken, die Namen, das Wasser, das in die Tiefe fällt, und diese auffallende Stille an einem eigentlich sehr belebten Ort wirken jedes Mal. Dort ist man automatisch leiser. Man muss gar nicht viel erklären, weil der Ort selbst genug sagt.
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Mittagessen gab es danach bei Chick-fil-A. Für Fastfood war das richtig gut, und wir waren uns einig, dass wir dort durchaus noch einmal essen würden. Danach arbeiteten wir uns weiter durch Manhattan: das Ghostbusters-Feuerwehrhaus, das Friends-Haus von außen, kleine Straßen, Parks und schließlich die High Line. Gerade die High Line würde ich jedem empfehlen, der New York nicht nur laut und eng erleben will. Diese grüne Strecke über den Straßen zeigt die Stadt aus einer anderen Perspektive.
Solche Popkultur-Stopps wie das Ghostbusters-Feuerwehrhaus oder das Friends-Haus sind für mich keine Orte, an denen man ewig bleibt. Man läuft hin, macht ein Foto, freut sich kurz und zieht weiter. Aber genau das passt in New York gut. Die Stadt ist voll von solchen Punkten, die man aus Filmen, Serien, Sportübertragungen oder Musikvideos kennt. Man muss daraus keinen halben Tag machen, aber sie geben einem immer wieder dieses Gefühl: Ach, hier ist das also.


Hudson Yards und Edge lagen ebenfalls auf der Strecke. Hochgefahren sind wir aber nicht. Einerseits war der Tag ohnehin schon voll, andererseits waren uns die hohen Eintrittspreise für eine Aussichtsplattform in diesem Moment schlicht zu viel. Wenn man eine Woche in New York ist, kann man solche Dinge gut einbauen. Bei unserem kompakten Programm wollten wir Zeit und Budget lieber anders nutzen.
Vor dem Spiel landeten wir noch in Rudy's Bar nahe dem Port Authority Bus Terminal. Draußen steht das bekannte Schweinchen, drinnen gab es günstiges Bier, frisch gezapftes IPA und sogar einen kostenlosen Hotdog dazu. Für New Yorker Verhältnisse fühlte sich das fast absurd günstig an. Von dort ging es weiter zur Area X am Port Authority Bus Terminal, wo unser Bus Richtung MetLife Stadium startete.



Am Stadion waren wir gegen 17:45 Uhr. Das MetLife Stadium wirkte schon von außen beeindruckend, und da wir früh da waren, konnten wir uns in Ruhe umsehen. Eine Ordnerin bemerkte offenbar, dass wir Fotos machen wollten, und ließ uns nach vorne ans Spielfeld. So standen wir plötzlich fast direkt am Rasen, während sich die Spieler aufwärmten. Unsere eigentlichen Plätze lagen weit oben, aber dieser kurze Moment am Field Level war ein Geschenk.
Die Tickets hatten wir über Vivid Seats bekommen, inklusive Gebühren für unter 100 Dollar pro Person. Der Transfer der Tickets klappte problemlos. Für ein NFL-Spiel in den USA war das wirklich stark. Natürlich lagen wir nicht in der teuersten Kategorie, aber das war uns egal. Wir wollten Football erleben, die Hymne hören, die Atmosphäre spüren und einfach dabei sein.
Das Spiel selbst war dann besser, als ich erwartet hatte. Die New York Giants gewannen gegen die Philadelphia Eagles mit 34:17. Ich hätte eher gedacht, dass die Eagles das Spiel souverän holen. Besonders hängen blieb ein Eagles-Fan, der sich den ganzen Abend liebevoll mit Giants-Fans battelte und sich am Ende, offenbar vor lauter Schande, eine Tüte Popcorn über den Kopf kippte und ging. Genau solche Szenen machen Sport live aus.
Die Stimmung war friedlich, wie ich es aus den USA gewohnt bin. Auffällig waren wieder die vielen deutschsprachigen Fans, sogar im Stadion. Die Nationalhymne live in einem NFL-Stadion zu erleben, war ein besonderer Moment. Gleichzeitig muss ich ehrlich sagen: Die Stimmung bei den NFL-Spielen in Frankfurt und München war nach meinem Gefühl besser. Im MetLife fehlte etwas die Lautstärke und Energie, vielleicht auch, weil es keine Cheerleader gab und insgesamt alles etwas sachlicher wirkte.
Trotzdem war es genau das Erlebnis, für das wir die Reise geplant hatten. Man sitzt in einem riesigen Stadion in New Jersey, schaut NFL nicht nachts vor dem Fernseher in Deutschland, sondern live vor Ort, hört die Hits im Stadion, riecht Nachos und Bier, sieht Fans in Trikots und merkt, wie anders so ein Spieltag dort funktioniert. Alles ist stärker auf Entertainment und Konsum ausgelegt, aber gleichzeitig erstaunlich entspannt. Rivalität ja, Aggression nein. Zumindest haben wir es so erlebt.
Auch die Gespräche mit amerikanischen Fans machten Spaß. Beim Thema Bier waren manche völlig erstaunt, dass man in Deutschland ab 16 Bier trinken darf. Für uns ist das normal, für sie klang es fast unglaublich. Solche kleinen Gespräche sind für mich oft genauso wertvoll wie die großen Sehenswürdigkeiten, weil man kurz aus der Besucherrolle herauskommt und wirklich mit Menschen in Kontakt ist.
Nach dem Spiel wurde die Rückfahrt chaotisch. Wir nahmen den Zug, mussten in Secaucus Junction umsteigen und merkten schnell, dass Uber direkt am Stadion völlig überteuert war. Also liefen wir erst einmal ein Stück. Viel zu lang, wenn man schon über 38.000 Schritte in den Beinen hat. Irgendwann standen wir irgendwo im Industriegebiet, weit genug weg vom Stadion, und bestellten dort ein deutlich günstigeres Uber.
Als wir im Hotel ankamen, waren wir komplett erledigt. Aber was für ein Tag: Freiheitsstatue mit Krone, Ellis Island, 9/11 Memorial, halb Manhattan, High Line, Rudy's, MetLife Stadium und ein überraschender Giants-Sieg. Es war einer dieser Tage, an denen man abends kaum glauben kann, dass das alles wirklich in denselben 24 Stunden passiert ist.
Afflilate
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