Route 66 Roadtrip: Was dich wirklich erwartet
Die Route 66 ist keine durchgehend romantische Landstraße mehr. Die historische Verbindung von Chicago nach Santa Monica wurde 1926 eingerichtet und 1985 offiziell aus dem U.S. Highway System gestrichen. Heute besteht sie aus alten Ortsdurchfahrten, Historic-Route-66-Abschnitten, Nebenstraßen, Umwegen und vielen Stellen, an denen du bewusst von der Interstate abfahren musst.
Genau das macht den Reiz aus: alte Motels, Tankstellen, Diner, Neon-Schilder, Museen, weite Ebenen, Wüste, Eisenbahnstädte und Orte, die ohne die Straße wahrscheinlich niemand mehr kennen würde. Ein guter Route-66-Roadtrip lebt nicht von Tempo, sondern von Auswahl.
Komplett fahren
Chicago bis Santa Monica ist die klassische Mother-Road-Reise. Schön, aber nur sinnvoll, wenn du mindestens drei Wochen Zeit hast.
Südwesten wählen
New Mexico, Arizona und Kalifornien liefern besonders viel Route-66-Gefühl auf kürzerer Strecke.
Kombinieren
Grand Canyon, Petrified Forest, Las Vegas oder Los Angeles lassen sich gut mit Route-66-Abschnitten verbinden.
Wie viel Zeit du einplanen solltest
Für die komplette Strecke solltest du mindestens 21 Tage einplanen. Schöner sind 24 bis 28 Tage, weil du dann Chicago, St. Louis, Tulsa, Oklahoma City, Santa Fe oder Albuquerque, Arizona und Kalifornien nicht nur im Vorbeifahren siehst.
Mit weniger Zeit ist ein Teilstück oft besser als eine gehetzte Komplettfahrt. Besonders stark sind diese Varianten:
21 Tage
Machbar, wenn du klare Prioritäten setzt und nicht jeden kleinen Stopp mitnehmen willst.
24 bis 28 Tage
Deutlich entspannter: mehr Museen, mehr Ortsdurchfahrten, mehr Puffer für Städte und Wüste.
7 bis 14 Tage Südwesten
Las Vegas, Kingman, Oatman, Seligman, Williams, Flagstaff, Petrified Forest, New Mexico oder Los Angeles.
Traditionell startet die Route 66 in Chicago und endet am Pazifik in Santa Monica. Du kannst sie auch andersherum fahren, aber Ost nach West fühlt sich dramaturgisch oft runder an: Stadt, Mittlerer Westen, Plains, Wüste, rote Felsen und am Ende der Pazifik.
Die Etappen
Diese Planung ist bewusst entspannt genug, um Fotostopps, Museen, Ortsdurchfahrten und kleinere Umwege einzubauen. Wer schneller reist, kann Tage zusammenlegen; wer die Route wirklich erleben möchte, sollte eher zusätzliche Nächte einplanen.
| Tag | Etappe | Kilometer | Warum diese Etappe sinnvoll ist |
|---|---|---|---|
| 1 | Ankunft in Chicago | 10 km | Startpunkt, Jetlag, Stadt ankommen |
| 2 | Chicago – Joliet | 70 km | kurzer Einstieg statt Hektik direkt nach der Ankunft |
| 3 | Joliet – Pontiac | 120 km | Illinois-Klassiker, Gemini Giant, alte Tankstellen |
| 4 | Pontiac – Springfield, IL | 100 km | Lincoln-Geschichte und Route-66-Orte |
| 5 | Springfield, IL – St. Louis | 160 km | Mississippi, Gateway Arch, Missouri-Einstieg |
| 6 | St. Louis – Cuba | 130 km | Meramec Caverns, Murals, Motels |
| 7 | Cuba – Lebanon | 110 km | kleine Missouri-Orte statt reiner Interstate |
| 8 | Lebanon – Springfield, MO | 80 km | kurzer Tag mit Museen und Höhlen |
| 9 | Springfield, MO – Carthage | 110 km | Gary’s Gay Parita, Drive-In, Kleinstadtflair |
| 10 | Carthage – Tulsa | 170 km | Kansas-Kurzabschnitt und Tulsa |
| 11 | Tulsa – Oklahoma City | 160 km | Arcadia, Round Barn, Pops 66 |
| 12 | Oklahoma City – Elk City | 180 km | Clinton, Museen und Western-Kontext |
| 13 | Elk City – Amarillo | 220 km | Texas Panhandle, U-Drop Inn, Cadillac Ranch |
| 14 | Amarillo – Tucumcari | 170 km | Midpoint, Neon, Blue Swallow Motel |
| 15 | Tucumcari – Santa Rosa | 110 km | kurzer Tag mit Blue Hole und Route-66-Orten |
| 16 | Santa Rosa – Albuquerque | 190 km | New-Mexico-Landschaft, Old Town, Sandia Mountains |
| 17 | Albuquerque – Gallup | 220 km | Grants, El Malpais, Native-American-Kontext |
| 18 | Gallup – Flagstaff | 310 km | Petrified Forest, Holbrook, Winslow, Flagstaff |
| 19 | Flagstaff – Kingman | 280 km | Williams, Seligman, Hackberry, Kingman |
| 20 | Kingman – Barstow | 250 km | Oatman, Sitgreaves Pass, Needles, Mojave |
| 21 | Barstow – Santa Monica | 210 km | Wüste, Cajon Pass, Los Angeles, Pazifik |
| 22 | Santa Monica / Los Angeles | offen | Puffer, Strand, Rückflug oder Verlängerung |

Chicago bis St. Louis: Der ruhige Einstieg
Der erste Teil der Route 66 ist weniger Wüste und mehr Geschichte. In Illinois geht es um alte Ortsdurchfahrten, Diners, Tankstellen, kleine Museen und Lincoln-Geschichte. Nimm dir für Chicago mindestens einen vollen Tag, wenn du noch nie dort warst.
Zwischen Chicago, Joliet, Pontiac und Springfield lohnt es sich, nicht jeden Fotostopp erzwingen zu wollen. Such dir pro Tag zwei bis drei feste Ziele aus und lass Platz für Zufälle. Genau dort funktioniert die Route 66 oft am besten.
St. Louis am Mississippi ist kein Route-66-Ort im engen Sinn wie ein kleines Motel oder eine alte Tankstelle, aber ein starker Übergang: Ab hier fühlt sich der Roadtrip zunehmend westlicher an.
Missouri und Oklahoma: Mother Road im Alltag
Missouri ist ideal, wenn du die Route 66 nicht nur als Fotokulisse sehen möchtest. Cuba mit seinen Wandgemälden, alte Motels, Höhlen, kleine Gerichtsgebäude und Ortskerne zeigen, wie sehr die Straße früher Alltag war. Plane hier nicht zu lange Tagesetappen, sonst rauschen die Orte an dir vorbei.
Oklahoma hat mehr Route-66-Meilen als jeder andere Bundesstaat und nimmt die Straße sehr ernst. Tulsa, Sapulpa, Arcadia, Oklahoma City, Clinton und Elk City liefern viele klassische Stopps: Museen, Neon, Skulpturen, Autokultur und alte Straßenabschnitte.
Tulsa ist besonders spannend, weil die Stadt stark mit Cyrus Avery verbunden ist, der oft als „Father of Route 66“ bezeichnet wird. Rund um das 100-jährige Jubiläum 2026 lohnt es sich hier besonders, aktuelle Events und neue Projekte zu prüfen.
Texas und New Mexico: Panhandle, Neon und Adobe
Der Texas-Abschnitt ist kurz, aber fotogen. Shamrock mit dem U-Drop Inn, McLean, der Midpoint bei Adrian und Amarillo mit der Cadillac Ranch gehören zu den bekanntesten Stopps der gesamten Route. Unterschätze Wind, Hitze und Entfernungen trotzdem nicht.
New Mexico ist einer der atmosphärisch stärksten Route-66-Abschnitte. Tucumcari ist berühmt für Neon-Schilder und historische Motels, Santa Rosa für das Blue Hole, Albuquerque für Old Town und lange Route-66-Achsen durch die Stadt. Santa Fe liegt nicht auf jeder späteren Route-66-Führung, ist aber als historischer Abstecher sehr lohnend.
Hier solltest du bewusst entscheiden, ob du die schnellere Linie über Albuquerque fährst oder Santa Fe einbaust. Santa Fe kostet Zeit, gibt dem Roadtrip aber mehr Kultur, Architektur und New-Mexico-Gefühl.
Arizona: Der stärkste Abschnitt für viele Reisende
Arizona ist für viele der Abschnitt, der am ehesten dem Route-66-Bild im Kopf entspricht: Wüste, alte Motels, Eisenbahnorte, Diner, Seligman, Hackberry, Kingman und die kurvige Fahrt nach Oatman. Dazu kommen starke Abstecher wie Meteor Crater, Petrified Forest National Park, Flagstaff, Williams und Grand Canyon.
Wenn du nur einen Teil der Route 66 fahren möchtest, ist Arizona die beste Wahl. Die Strecke lässt sich gut mit Las Vegas, Grand Canyon oder Los Angeles verbinden und bietet auf kurzer Distanz sehr viele klassische Stopps.
Gallup bis Flagstaff
Von Gallup kommst du nach Arizona und erreichst Holbrook, Petrified Forest und Winslow. Der Petrified Forest National Park ist besonders, weil er als einziger Nationalpark direkt mit der historischen Route 66 verbunden ist. Holbrook funktioniert gut als einfache Übernachtungsbasis, vor allem wenn du Petrified Forest und Painted Desert ohne Stress besuchen möchtest.
Flagstaff bis Kingman
Zwischen Flagstaff und Kingman liegt einer der besten Route-66-Tage: Williams, Seligman, Hackberry General Store und Kingman. Williams ist praktisch, wenn du Route 66 mit dem Grand Canyon kombinieren willst. Seligman ist wichtig für die Wiederbelebung der historischen Route 66 in Arizona, sollte aber nicht falsch als ursprünglicher Geburtsort der Straße verstanden werden.
Kingman ist mehr als ein kurzer Fotostopp. Das Powerhouse Visitor Center, das Arizona Route 66 Museum, Historic Downtown und die Route nach Oatman machen die Stadt zu einer guten Basis für eine Übernachtung.
Kingman bis Oatman
Der Abschnitt über Cool Springs, Sitgreaves Pass und Oatman ist landschaftlich einer der schönsten, aber auch langsamer und kurviger als viele erwarten. Fahre ihn bei Tageslicht, plane Zeit für Fotostopps ein und füttere die Burros in Oatman nicht mit Brot, Äpfeln, Karotten oder anderer menschlicher Nahrung. Wenn überhaupt, nutze nur erlaubtes Futter vor Ort und halte Abstand.
Mojave-Wüste bis Santa Monica
Nach Arizona wird die Route 66 in Kalifornien wieder rauer und stiller. Needles, Amboy, Ludlow, Barstow und Victorville liegen in einer Wüstenlandschaft, in der Tankstopps, Wasser und Tageslicht wichtiger sind als in den Städten weiter östlich.
Barstow ist kein romantischer Urlaubsort, aber ein sinnvoller Knotenpunkt zwischen I-15, I-40, Route 66, Mojave-Wüste und der Strecke nach Los Angeles. Casa del Desierto, Route 66 Mother Road Museum und die alte Main Street passen gut in einen halben Tag.
Die letzte Etappe nach Santa Monica führt durch den Großraum Los Angeles. Hier ist die Route 66 nicht mehr romantisch-leer, sondern urban, voll und verkehrsabhängig. Plane den letzten Tag deshalb nicht zu knapp. Das Foto am Santa Monica Pier ist ein gutes Ende, aber die eigentliche Leistung ist der Weg dorthin.
Praktische Planung für die Route 66
Beste Reisezeit
Frühling und Herbst sind für die komplette Route am angenehmsten. Im Sommer sind lange Tage praktisch, aber Arizona, New Mexico, Texas und Kalifornien können sehr heiß werden. Im Winter sind Wüstenabschnitte angenehm, dafür können Illinois, Missouri, Oklahoma, New Mexico und Nord-Arizona Schnee, Eis oder kalte Nächte bringen.
Für den Südwesten sind März bis Mai und September bis November meist am besten. Im Jubiläumsjahr 2026 können einzelne Wochenenden voller werden, wenn Events stattfinden.
Navigation
Verlasse dich nicht nur auf Google Maps mit dem Ziel „Santa Monica“. Das Navi nimmt sonst fast immer die schnellste Interstate. Nutze zusätzlich eine Route-66-Karte, eine App oder eine Tagesliste mit konkreten Orten. Wichtig ist, die alten Alignments bewusst anzusteuern.
Unterkünfte
Historische Motels sind Teil des Erlebnisses, aber nicht jedes alte Motel ist automatisch gut. Prüfe aktuelle Bewertungen, Lage, Parken, Lärm und Stornobedingungen. In kleineren Orten können gute Zimmer schnell weg sein, besonders bei Events, Wochenenden und 2026 rund um das Centennial.
Sicherheit und Fahrweise
Route 66 mit Nationalparks kombinieren
Die Route 66 selbst ist kein Nationalpark-Roadtrip, lässt sich aber sehr gut mit Parks verbinden:
- Petrified Forest National Park: direkt am Arizona-Abschnitt.
- Grand Canyon South Rim: gut ab Williams oder Flagstaff.
- Joshua Tree National Park: sinnvoll, wenn du Kalifornien verlängerst.
- Death Valley oder Las Vegas: eher als separate Verlängerung ab Barstow, Kingman oder Las Vegas.
Häufige Fehler auf der Route 66
- Zu viele Kilometer pro Tag: Dann bleibt nur Interstate und Tankstelle.
- Route 66 als durchgehende Straße erwarten: Viele Abschnitte sind historisch, unterbrochen oder nur als Ortsdurchfahrt relevant.
- Seligman falsch einordnen: Der Ort ist wichtig für die Wiederbelebung der Historic Route 66 in Arizona, nicht der ursprüngliche Entstehungsort der Straße.
- Oatman unterschätzen: Die Straße ist kurvig, Tiere laufen auf der Fahrbahn, und der Ort funktioniert besser bei Tageslicht.
- Los Angeles zu knapp planen: Die letzten Kilometer können wegen Verkehr länger dauern als ein ganzer Wüstenabschnitt.
Für wen die Route 66 wirklich passt
Die Route 66 ist kein Roadtrip für Menschen, die schnell ankommen wollen. Sie ist eine Reise für alle, die unterwegs sein möchten: kleine Orte, alte Schilder, Motels, Diner, Museen, Wüste, Stadtverkehr, Umwege und Geschichten. Je realistischer du planst, desto besser wird sie.
Wenn du nicht drei bis vier Wochen hast, ist das kein Problem. Fahr lieber einen starken Abschnitt bewusst als die komplette Strecke gehetzt. Für viele USA-Reisende ist Arizona mit Kingman, Oatman, Seligman, Williams, Flagstaff, Holbrook und Petrified Forest der beste Einstieg.
Häufige Fragen
Wie lange sollte man für die komplette Route 66 einplanen?
Für die komplette Route von Chicago bis Santa Monica solltest du mindestens 21 Tage einplanen. Entspannter sind 24 bis 28 Tage, weil du dann Städte, Museen, kleine Orte, Arizona und Kalifornien nicht nur im Vorbeifahren siehst.
Was ist die beste Reisezeit für die Route 66?
Frühling und Herbst sind am angenehmsten. Im Sommer sind die Tage lang, aber Texas, New Mexico, Arizona und Kalifornien können sehr heiß werden. Im Winter können nördliche und höher gelegene Abschnitte Schnee oder Eis haben.
Gibt es noch originale Abschnitte der Route 66?
Ja, viele historische Abschnitte existieren noch. Die Route ist aber nicht mehr als durchgehender U.S. Highway ausgeschildert. Du musst alte Alignments, Ortsdurchfahrten und Historic-Route-66-Abschnitte bewusst ansteuern.
Welche Sehenswürdigkeiten sollte man entlang der Route 66 nicht verpassen?
Sehr starke Stopps sind Pontiac, St. Louis, Tulsa, Oklahoma City, Cadillac Ranch, Tucumcari, Albuquerque, Petrified Forest, Flagstaff, Williams, Seligman, Kingman, Oatman, Barstow und Santa Monica.
Welcher Route-66-Abschnitt lohnt sich bei wenig Zeit am meisten?
Der Arizona-Abschnitt ist für viele Reisende der beste Einstieg: Kingman, Oatman, Seligman, Williams, Flagstaff, Holbrook und Petrified Forest lassen sich gut mit Las Vegas, Grand Canyon oder Los Angeles verbinden.
Kann ich die Route 66 mit einem normalen Auto befahren?
Ja, die üblichen Route-66-Abschnitte sind mit einem normalen Mietwagen machbar. Wichtig sind gute Planung, Wasser im Auto, volle Tanks in abgelegenen Gegenden und Tageslicht auf langsameren Abschnitten wie Oatman und Sitgreaves Pass.
Warum ist 2026 für die Route 66 besonders?
Die Route 66 wurde 1926 eingerichtet und feiert 2026 ihr 100-jähriges Jubiläum. Entlang der Strecke sind deshalb Events, Sonderausstellungen und mehr Nachfrage bei Unterkünften möglich.












