Der sechste Tag lief anders als geplant: Government Shutdown, Feiertag und viele geschlossene Orte in Washington. Also fuhren wir spontan nach Alexandria, entdeckten Old Town und die Waterfront, bevor es abends trotz Regen zum zweiten NFL-Spiel der Reise ging: Commanders gegen Bears.
Der 13. Oktober war in Washington ein Tag, an dem unsere ursprüngliche Planung endgültig nicht mehr funktionierte. Der Government Shutdown lief, viele Smithsonian Museen waren geschlossen, und zusätzlich war noch ein Feiertag. Bundesweit war Columbus Day, in Washington D.C. wird der Tag auch als Indigenous Peoples' Day begangen. Für uns bedeutete das vor allem: Archive, Museen, Sculpture Garden und vieles, was wir eigentlich auf dem Zettel hatten, fiel aus.
Washington D.C. planen: National Mall, Smithsonian-Museen, Monumente, Kapitol, Georgetown, Metro, Hotels und praktische Tipps.



Natürlich kann man Washington auch gut von außen erkunden. Die Stadt ist weitläufig, monumental und voller Blickachsen. Aber wenn man weiß, dass hinter vielen Türen gerade eigentlich kostenlose Museen, Originaldokumente und Ausstellungen warten würden, ist es schon ernüchternd, davorzustehen und nicht hinein zu können. Also beschlossen wir, den Plan loszulassen und etwas anderes zu machen.
Im Nachhinein war das die richtige Entscheidung. Man hätte den Tag auch damit verbringen können, von geschlossener Tür zu geschlossener Tür zu laufen und sich zu ärgern. Aber Reisen funktionieren besser, wenn man irgendwann akzeptiert, was nicht geht, und schaut, was stattdessen möglich ist. Alexandria war genau so ein Plan B, der sich nicht wie ein Trostpreis anfühlte.
Die Alternative wurde Alexandria. Das war ursprünglich nicht vorgesehen, erwies sich aber als richtig gute Entscheidung. Mit der Metro fuhren wir nach King Street-Old Town und liefen in Richtung Altstadt. Old Town Alexandria hat eine ganz andere Atmosphäre als Downtown Washington: kleinere Häuser, historische Fassaden, Backstein, kleine Läden und eine angenehmere Geschwindigkeit.



Besonders schön war, dass sich die Stadt schon auf Halloween vorbereitete. Überall standen Dekorationen, Kürbisse, Skelette und kleine Details vor den Häusern. Es fühlte sich sofort herbstlicher und lokaler an als die großen Monumente in Washington. An der Waterfront wurde es dann fast idyllisch. Der Blick aufs Wasser, die Promenade und die ruhigere Stimmung taten gut.
Old Town Alexandria würde ich deshalb nicht nur als Ausweichziel empfehlen. Es lohnt sich auch unabhängig vom Shutdown. Wenn man mehrere Tage in Washington ist und einmal einen anderen Rhythmus braucht, ist der Ausflug sehr angenehm. Man kommt leicht mit der Metro hin, kann durch die King Street laufen, zur Waterfront gehen und ohne großen Aufwand wieder zurückfahren.
Gleichzeitig steckten uns die vergangenen Tage inzwischen deutlich in den Knochen. Deshalb waren wir froh über den kostenlosen King Street Trolley, der durch Alexandria fährt. Statt alles doppelt zu laufen, konnten wir ein Stück bequem zurückfahren. Für Besucher ist das ein schöner Service, und an diesem Tag passte er perfekt.



Zwischendurch aßen wir bei Potbelly Sandwiches. Ich kannte die Kette vorher nicht. Die Bestellung war für uns im ersten Moment erstaunlich kompliziert, weil man bei amerikanischen Sandwich-Ketten manchmal schneller gefragt wird, als man denken kann. Aber als wir es verstanden hatten, war es richtig gut. Sandwich, Mac and Cheese, etwas Warmes, etwas Unkompliziertes: genau richtig für diesen Tag.
Bevor wir zurückfuhren, liefen wir noch zum George Washington Masonic National Memorial. Das Gebäude sieht schon von außen beeindruckend aus und wirkt fast wie ein eigener kleiner Monumentalbau außerhalb der großen Washingtoner Achsen. Danach ging es zurück zur Metrostation King Street-Old Town und weiter nach Washington.
Wir hätten in Alexandria sicher noch mehr machen können, aber an diesem Punkt merkte man, dass die Reise nicht mehr am Anfang stand. Die Beine waren schwer, der Schlaf fehlte, und am Abend wartete wieder ein Stadionbesuch. Also hielten wir den Ausflug bewusst überschaubar. Das war gut so, denn der zweite Teil des Tages wurde noch lang genug.
Am Nachmittag hielten wir noch an einem Liquor Store und deckten uns für den Abend ein. Denn es stand das zweite NFL-Spiel der Reise an: Washington Commanders gegen Chicago Bears. Endlich wieder Hazy IPA in großen Dosen. Bei den Bierpreisen im Stadion war es eine gute Entscheidung, vorher noch in Ruhe eines zu trinken.


Die Anreise zum Stadion war deutlich weniger komfortabel als beim MetLife Stadium. Die Metro hat keine Station direkt am Stadion. Wir fuhren nach Downtown Largo und liefen von dort mit sehr vielen anderen Fans Richtung Northwest Stadium, dem früheren FedExField. Der Fußweg zieht sich, grob eine halbe Stunde, und führt durch abgesperrte Bereiche und Wohngegenden. Man folgt im Grunde einfach der Masse.
Dieser Weg war ein deutlicher Unterschied zu Stadien, die direkt an Bahnlinien liegen. Es ist nicht unmöglich, aber man sollte ihn einplanen. Gerade nach einem langen Sightseeing-Tag, bei Regen und mit tausenden anderen Fans fühlt sich der Marsch länger an, als er auf der Karte aussieht. Immerhin war die Orientierung leicht: Man musste nur den Trikots folgen.
Gegen 17:47 Uhr erreichten wir das Stadion. Schon vorher sah man, wie riesig die Parkflächen sind. Das Tailgating bei den Commanders war beeindruckend: Zelte, Grills, Musik, Bier, Menschen in Trikots, und das alles trotz ziemlich schlechtem Wetter. In Deutschland ist Tailgating in dieser Form kaum vorstellbar. In den USA gehört es zum Football dazu.



Im Stadion wollten wir dann Nachos und Bier. Die Ernüchterung kam beim Preis. Im MetLife Stadium hatte uns ein frisch gezapftes IPA für 13 Dollar schon teuer vorgekommen. In Washington kostete eine Dose Bier 18 bis 19 Dollar. Nicht frisch gezapft, einfach aus der Dose. Da vergeht einem kurz der Spaß. Gleichzeitig schien es den meisten Besuchern wenig auszumachen. Vielleicht haben wir in Deutschland einfach ein anderes Verhältnis zu Bierpreisen.
Das Wetter machte es nicht besser. Es regnete, die Sitze waren nass, und wir saßen wieder weit oben, weil wir auch hier günstige Plätze gebucht hatten. Trotzdem hatte der Abend etwas. Ein NFL-Spiel in den USA bleibt ein Erlebnis, selbst wenn die Jacke nass ist und das Bier absurd teuer.


Auffällig war in Washington die viele Werbung und Inszenierung rund um Militär und Patriotismus. Natürlich kennt man das bei US-Sportveranstaltungen, aber hier war es für unser Gefühl besonders präsent. Fast schon etwas propagandistisch. Das hat dem Spiel nicht den Spaß genommen, aber es fiel uns deutlich auf.
Im Vergleich zum MetLife Stadium wirkte das ganze Erlebnis rauer. Das Wetter war schlechter, das Stadion älter, die Wege weiter, die Preise höher. Gleichzeitig war das Tailgating größer und wilder, und durch das dramatische Ende bekam der Abend sportlich einen starken Schlusspunkt. Wenn ich beide Spiele vergleiche, war MetLife für uns angenehmer, Washington aber vielleicht die amerikanischere, chaotischere Football-Erfahrung.
Sportlich wurde es am Ende richtig dramatisch. Die Chicago Bears drehten das Spiel in letzter Sekunde und gewannen 25:24. Erst da merkte man plötzlich, wie viele Chicago-Fans im Stadion waren. Der Jubel kam von überall. Für die Commanders-Fans war es bitter, für uns als neutrale Besucher aber natürlich ein starkes Finish.
Nach dem Spiel ging es wieder zurück Richtung Metro und tief in der Nacht nach Washington. Eigentlich wollten wir noch etwas essen: Wings, Burger, Five Guys, irgendetwas. Aber Washington war zu dieser Uhrzeit wie leergefegt. Alles, was für uns infrage kam, hatte geschlossen. Also blieb es bei einem langen Rückweg, nassen Klamotten, müden Beinen und einem weiteren NFL-Erlebnis, das ganz anders war als MetLife, aber mindestens genauso viel zu erzählen hatte.
Und genau das war der Wert dieses Tages: Er war nicht bequem, nicht perfekt und nicht so geplant. Aber er brachte uns Alexandria, einen unerwartet schönen Ausflug, und ein NFL-Spiel, das erst in letzter Sekunde entschieden wurde. Manchmal sind die Tage mit den meisten Umwegen später die, über die man am meisten erzählt.
Für Washington selbst war der Shutdown natürlich schade. Gerade wenn man zum ersten Mal dort ist, sind die Smithsonian Museen, die National Archives und die vielen kostenlosen Einrichtungen ein riesiger Teil des Besuchs. Wir hatten das Glück, dass wir beide Washington nicht völlig ohne Vorerfahrung gesehen haben und dass wir flexibel genug waren, Alexandria einzubauen. Wer nur einen oder zwei Tage hat und ausgerechnet in so eine Phase gerät, muss deutlich umplanen.
Das Commanders-Spiel war im Vergleich zum Giants-Spiel weniger komfortabel, aber vielleicht erzählerisch stärker. MetLife war trockener, einfacher und sportlich überraschend. Washington war nass, teuer, umständlich und endete mit einem Last-Second-Sieg der Auswärtsmannschaft. Als neutraler Fan kann man sich kaum mehr Drama wünschen. Als müder Reisender hätte ich mir allerdings ein günstigeres Bier und einen kürzeren Heimweg gewünscht.
Wenn ich für künftige Besucher einen Tipp geben müsste: Für Spiele im Northwest Stadium sollte man die Anreise vorher genauer planen als bei manchen anderen NFL-Stadien. Metro bis Downtown Largo funktioniert, aber der Fußweg ist real. Bei Regen, Dunkelheit und müden Beinen fühlt er sich noch realer an. Wer mit Uber fahren will, sollte nach dem Spiel mit hohen Preisen und Wartezeit rechnen.
Afflilate
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