Der fuenfte Tag wurde einer der vielseitigsten der Reise: Walmart-Einkauf, Amish Country, Denny's-Fruehstueck, Gettysburg mit Self-Guided Auto Tour und am Abend Washington D.C. bei Nacht. Dazu kam die Erkenntnis, dass der Government Shutdown unsere Plaene fuer den naechsten Tag veraendern wuerde.
Am Morgen standen wir früh auf, vermutlich gegen halb sieben. Es war der erste richtige Morgen mit Mietwagen, und genau das verändert auf einem USA-Trip sofort das Gefühl. Man ist nicht mehr an Bahnstationen und Stadtwege gebunden, sondern kann wieder spontan halten, größere Strecken fahren und irgendwo in einem riesigen Supermarkt verschwinden.
Unser erster Stopp war ein Walmart an der Main Street in Exton. Auch wenn ich weiß, wie groß amerikanische Walmarts sind, überrascht es mich jedes Mal wieder. Diese Mischung aus Spielwaren, Lebensmitteln, Kleidung, Elektronik, Campingkram und endlosen Regalen mit Saucen ist einfach sehr amerikanisch. Besonders bei den BBQ-Saucen könnte ich immer völlig eskalieren. Dieses Mal hatten wir allerdings nur Handgepäck, also mussten wir uns bremsen.

Ein paar Dinge gingen trotzdem mit: Süßigkeiten, Beef Jerky, Snacks für die Kinder zu Hause, Essen und Trinken für unterwegs und natürlich das eine oder andere Bier. Beef Jerky gehört für mich auf USA-Reisen fast schon traditionell dazu. Es ist nicht vernünftig, aber es fühlt sich nach Roadtrip an.
Walmart ist für mich immer auch ein kleiner Kulturschock im positiven Sinn. Man sieht dort sehr schnell, wie anders Konsum in den USA funktioniert: größere Packungen, mehr Auswahl, mehr Varianten von allem. Selbst bei Dingen wie Chips, Saucen oder Süßigkeiten steht man vor Regalen, die in Deutschland deutlich kleiner wären. Wenn man mit nur Handgepäck reist, ist das fast schon Folter, weil man ständig denkt: Das würde ich gerne mitnehmen, das auch, und das eigentlich auch.
Eigentlich hatte ich meinem Freund ein Frühstück bei Denny's versprochen. Das gehört für mich mindestens einmal pro Reise dazu. Vorher musste er sich aber noch etwas gedulden, denn wir legten einen Zwischenstopp im Amish Country ein. Unser Ziel war Kitchen Kettle Village in Intercourse. Ich hatte dort mehr Betrieb erwartet, aber der Ort wirkte fast wie ausgestorben.


Gerade das machte den Halt interessant. Immer wieder kamen uns Pferdekutschen entgegen, gezogen von Pferden, mit Amish-Familien darin. Es ist eine Welt, die man als Besucher nur sehr oberflächlich wahrnimmt und trotzdem sofort als starken Kontrast zur amerikanischen Schnelllebigkeit empfindet. Wir liefen ein wenig durch den Ort und das Market Village, machten ein paar Fotos und nahmen den Flair mit.
Man muss bei solchen Orten natürlich aufpassen, nicht nur neugierig auf Menschen zu schauen, die dort ihren Alltag leben. Für uns war es deshalb eher ein kurzer, respektvoller Eindruck als ein intensives Besichtigungsprogramm. Trotzdem bleibt dieser Kontrast hängen: morgens Walmart mit Überfluss und grellen Regalen, wenig später Pferdekutschen und ein Ort, der deutlich langsamer wirkt. Auf einem Roadtrip sind es oft genau diese Gegensätze, die einen Tag spannend machen.
Das versprochene Denny's-Frühstück gab es dann in York. Für mich war klar: Skillet. Das ist vielleicht nicht fein, aber es ist genau das, was ich bei Denny's will. Heiß, deftig, amerikanisch und irgendwie ein kleines Ritual. Nach New York, Philadelphia und dem frühen Start tat so ein Frühstück richtig gut.

Von York aus ging es weiter nach Gettysburg. Ich muss ehrlich sagen: Ich hatte Gettysburg zwar auf dem Plan, aber nicht erwartet, dass es uns so gut gefallen würde. Wir parkten etwas abseits und liefen zum Visitor Center. Schon das Museum dort hilft sehr, die Schlacht und ihre Bedeutung einzuordnen. Danach machten wir die Self-Guided Auto Tour durch den Gettysburg National Military Park.



Diese Tour ist ideal, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Man fährt von Station zu Station, steigt immer wieder aus, liest Erklärungen, schaut über die Felder, läuft zu Aussichtspunkten oder Denkmälern und bekommt nach und nach ein Gefühl für die Dimension dieses Ortes. Gettysburg ist nicht einfach ein Schlachtfeld, sondern eine Landschaft voller Geschichten, Entscheidungen und Folgen.
Besonders beeindruckend fand ich, wie anschaulich die Orte sind. Man steht auf einer Anhöhe, schaut über das Gelände und kann sich plötzlich eher vorstellen, wie sich Truppenbewegungen, Sichtlinien und Entfernungen damals angefühlt haben müssen. Dazu kommen Kanonen, Denkmäler, Aussichtstürme, Felsen und immer wieder kleine Wege, die zu bestimmten Punkten führen.
Die Auto Tour half uns sehr, weil sie dem Gelände eine Struktur gibt. Ohne Plan würde man wahrscheinlich viele Punkte sehen, aber ihre Bedeutung schlechter einordnen. So folgt man einer Route und merkt nach und nach, wie sich die Schlacht räumlich entwickelt hat. Besonders die Aussichtspunkte und Felsbereiche machten die Geschichte greifbarer. Es ist etwas anderes, eine Karte im Museum zu sehen oder selbst an einem Ort zu stehen, an dem Gelände, Entfernung und Sicht plötzlich wichtig werden.




Wir hatten nicht unendlich viel Zeit, aber der Besuch war trotzdem einer der stärksten geschichtlichen Momente der Reise. Gettysburg ist kein Ort, den man nebenbei abhakt. Selbst wenn man nicht jedes Detail des Amerikanischen Bürgerkriegs kennt, spürt man, dass hier etwas Entscheidendes passiert ist.
Irgendwann mussten wir weiter Richtung Washington D.C., denn der Mietwagen sollte am Dulles Airport zurückgegeben werden. Unterwegs übernahm mein Freund auch einmal das Steuer. Vor der Rückgabe tankten wir noch voll, wie so oft in den USA zu Preisen, bei denen man als Deutscher kurz neidisch wird. Die Rückgabe selbst lief völlig problemlos.

Kurz überlegten wir, mit Uber vom Mietwagenzentrum nach Downtown Washington zu fahren. Dort sah der Preis noch okay aus, aber wegen des eingezäunten Geländes fanden wir keine sinnvolle Möglichkeit für die Abholung. Also nahmen wir den Shuttle zum Flughafen. Am Dulles Airport war Uber dann plötzlich deutlich teurer, irgendwo bei 40 bis 50 Dollar. Da kam dann doch der schwäbische Teil in uns durch: Wir entschieden uns für die Metro.
Die Silver Line vom Dulles Airport in die Stadt dauert ungefähr eine Stunde. Mit nur Handgepäck war das völlig in Ordnung. Unser Hotel in Washington war das Days Inn by Wyndham Washington DC/Connecticut Avenue, gebucht vom 12. bis 14. Oktober für 263,57 Euro. Nach dem Check-in ging es noch einmal mit der Metro in die Innenstadt.
Auch dieses Hotel war wieder eher eine pragmatische Entscheidung. Washington kann teuer sein, und wir brauchten vor allem eine bezahlbare Unterkunft mit Metro-Anbindung. Luxus stand nicht auf der Liste. Nach den Tagen davor waren ein Bett, eine Dusche und eine halbwegs gute Verbindung in die Stadt völlig ausreichend.
Washington D.C. planen: National Mall, Smithsonian-Museen, Monumente, Kapitol, Georgetown, Metro, Hotels und praktische Tipps.
Abends landeten wir im Bog House Biergarten an der M Street NW. Der Name klingt nach Biergarten, aber ein klassischer Biergarten ist es nicht. Es gab gutes Bier, Football lief auf den Bildschirmen, und bestellen konnte man direkt an Self-Service-Stationen. Das Bier und Essen wurden dann gebracht. Für uns war das perfekt: Wings, IPA und Football nach einem langen Roadtrip-Tag.

Danach hätten wir eigentlich ins Hotel fahren können. Stattdessen liefen wir noch durch Washington bei Nacht. Zuerst zum Weißen Haus, dann weiter zum Washington Monument, am World War II Memorial vorbei und entlang des Reflecting Pool zum Lincoln Memorial. Diese Orte bei Nacht zu erleben, ist etwas Besonderes. Alles ist beleuchtet, die Stadt wirkt ruhiger, und man bekommt trotz Müdigkeit immer wieder neue Energie.




Auf dem Rückweg kamen wir am The People's House: A White House Experience vorbei. Eine Ausstellung zum Weißen Haus. Uns war sofort klar: Da wollen wir am nächsten Tag hin. Gleichzeitig mussten wir an diesem Abend feststellen, dass der Government Shutdown in den USA unsere Pläne verändern würde. Die Smithsonian Museen waren betroffen, vieles war oder wurde geschlossen. Für Washington, wo so viele Highlights kostenlose Museen und öffentliche Einrichtungen sind, ist das natürlich ein echter Einschnitt.

Zurück ging es dann doch mit der Metro. Der Tag war lang, anstrengend und unglaublich voll: Walmart, Amish Country, Denny's, Gettysburg, Mietwagenrückgabe, Metro ab Dulles, Wings, IPA und Washingtons Memorials bei Nacht. Es war einer dieser Tage, bei denen man abends im Hotel liegt und merkt, dass man eigentlich drei verschiedene Reisetage in einen gepackt hat.
Für mich war Gettysburg der überraschend starke Teil des Tages, Washington bei Nacht aber der emotionale Abschluss. Diese Kombination aus Geschichte am Vormittag und Monumenten am Abend passte fast zu gut. Erst ein Ort, an dem die USA innerlich zerrissen waren, später die Hauptstadt mit ihren Symbolen, Memorials und Regierungsgebäuden. Das war nicht geplant als thematischer Bogen, aber im Rückblick fühlte es sich genau so an.
Wenn man Gettysburg besucht, würde ich auf jeden Fall genug Zeit einplanen. Nur kurz am Visitor Center vorbeizuschauen, wird dem Ort nicht gerecht. Die Auto Tour braucht Zeit, und man sollte zwischendurch aussteigen, laufen und die Landschaft wirken lassen. Für uns war es kein trockener Geschichtsstopp, sondern einer der Orte, an denen man plötzlich besser versteht, warum manche Punkte in den USA bis heute so präsent sind.
Gleichzeitig zeigte dieser Tag auch, wie praktisch ein Mietwagen für solche Strecken ist. Ohne Auto hätten wir Walmart, Amish Country, Denny's, Gettysburg und Dulles an einem Tag kaum sinnvoll kombinieren können. Für reine Stadtbesuche braucht man in New York und Washington kein Auto. Für den Teil dazwischen war es genau richtig.
Afflilate
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