Nach drei Naechten in Jersey City begann der eigentliche Roadtrip-Teil: Shuttle nach Newark, Mietwagen holen und weiter nach Philadelphia. Die Stadt empfing uns mit Regen, blieb aber trotzdem spannend: Geschichte, Reading Terminal Market, Chinatown, Liberty Bell von aussen, Elfreth's Alley und am Ende die Rocky Steps.
Nach den intensiven Tagen in New York hieß es am vierten Tag: raus aus Jersey City und hinein in den Roadtrip-Teil. Unser Hotel punktete noch einmal mit einem kostenlosen Shuttlebus zum Flughafen Newark. Bei unserer späten Ankunft am ersten Abend war der Shuttle zwar nicht mehr gefahren, aber an diesem Morgen war er praktisch. Vom Flughafen ging es dann weiter mit dem Shuttle zur Mietwagenstation.
Gebucht hatte ich dieses Mal bei Avis, weil der Preis ziemlich günstig war. Normalerweise bin ich ein großer Freund von Alamo. Dort hatte ich bisher fast immer das Gefühl: ankommen, Unterlagen zeigen, zehn Minuten später im Auto sitzen. Bei Avis merkte man den günstigeren Preis leider sehr deutlich an der Warteschlange. Gefühlt standen wir anderthalb Stunden, bis wir dran waren. Zwischendurch hörte man immer wieder, dass Autos noch nicht verfügbar oder nicht gereinigt waren. Wenn man weiß, dass der Tag ohnehin eng ist, kann so etwas die Stimmung schon etwas drücken.

Immerhin war der Mitarbeiter am Schalter sehr freundlich. Als er merkte, dass wir aus Deutschland kommen, erzählte er voller Begeisterung von seinem BMW, den er sich gerade zusammenstellt. Solche Begegnungen mag ich an den USA sehr: Man steht eigentlich genervt in einer Mietwagenstation, und plötzlich redet jemand mit echter Freude über sein Traumauto. Überhaupt fiel uns auf dieser Reise immer wieder auf, wie positiv Menschen reagierten, wenn sie hörten, dass wir Deutsche sind.
Trotzdem war die Wartezeit ein kleiner Dämpfer. Gerade wenn man nur wenige Tage unterwegs ist, fühlt sich jede verlorene Stunde groß an. Bei einem dreiwöchigen Roadtrip wäre es egaler. Bei unserem kompakten Plan bedeutete es: weniger Zeit in Philadelphia, weniger Puffer und ein späterer Start in einen ohnehin verregneten Tag. Für mich bleibt deshalb der Eindruck: Avis kann günstig sein, aber Alamo ist mir bei Roadtrips weiterhin lieber, wenn der Preisunterschied nicht zu groß ist.
Irgendwann saßen wir endlich im Auto und machten uns auf den Weg nach Philadelphia. Dort angekommen, regnete es. Nicht nur ein bisschen, sondern so, dass die Stadt erst einmal deutlich grauer wirkte, als man es sich wünscht. Trotzdem wollten wir nicht im Auto sitzen bleiben. Also parkten wir und liefen los.
Philadelphia verbindet US-Geschichte, starke Museen, Food-Spots und gute Lage zwischen New York und Washington D.C. Viele Highlights lassen sich ohne Auto besuchen.



Philadelphia ist eine Stadt, die man nicht ohne ihre Geschichte betrachten kann. Independence Hall, Liberty Bell, die alten Straßenzüge, die Nähe zur amerikanischen Staatsgründung: Das alles liegt hier sehr dicht beieinander. Gleichzeitig ist Philadelphia keine reine Postkartenstadt. Gerade bei Regen fühlte sich manches rauer und echter an. Nicht perfekt herausgeputzt, aber interessant.
Vielleicht passte der Regen sogar ein Stück weit zur Stadt. Philadelphia wirkte auf uns weniger glatt als New York oder Washington. Man spürt an manchen Ecken mehr Alltag, mehr Brüche, mehr normale Stadt. Das ist nicht immer schön im klassischen Sinne, aber es macht den Besuch interessant. Zwischen historischen Gebäuden, modernen Büros, Markt, Chinatown und Wohnstraßen wechselt die Stimmung schnell.
Ein kurioser Punkt war das "Portal", eine Installation, über die man per Video mit Menschen an anderen Orten der Welt verbunden wurde. Wir landeten irgendwann bei Dublin und winkten Menschen auf der anderen Seite zu. Solche Dinge sind vielleicht kein klassisches Highlight, aber sie bleiben hängen, weil sie mitten in einem normalen Stadtrundgang plötzlich für einen kleinen Moment Verbindung schaffen.
Eigentlich wollten wir im Reading Terminal Market Mittag essen. Als wir dort kurz nach 14 Uhr ankamen, war es aber unfassbar voll. Die Gerüche, die Stände, die Auswahl: alles großartig. Aber in unserem Zustand und bei der Menschenmenge war es uns fast zu viel. Manchmal kann ein Ort gleichzeitig toll und überfordernd sein. Für einen nächsten Besuch würde ich dort früher oder mit mehr Ruhe hingehen.



Stattdessen liefen wir weiter durch Chinatown und landeten am Ende bei Panda Express. Das klingt nach einer Notlösung, war aber überraschend gut. Ich war wirklich positiv überrascht. Auf Roadtrips sind solche Stopps oft genau richtig: unkompliziert, warm, schnell und am Ende deutlich besser als erwartet.
Natürlich hätte ein Philly Cheesesteak in Philadelphia besser in die Dramaturgie gepasst. Aber manchmal kommt es anders. Der Hunger war da, die Stadt war nass, der Markt zu voll, und Panda Express lag praktisch. Genau solche Entscheidungen machen eine Reise realistisch. Nicht jeder Essensstopp ist ein geplanter Geheimtipp. Manchmal nimmt man, was funktioniert, und freut sich, wenn es besser schmeckt als gedacht.
Danach ging es wieder zu den historischen Punkten. Das Liberty Bell Center war für uns geschlossen beziehungsweise nicht so zugänglich, wie wir gehofft hatten. Wir konnten die Glocke nur von außen sehen. Das war schade, aber gleichzeitig passte es irgendwie zu diesem Reisetag: nicht alles lief ideal, trotzdem nahmen wir mit, was ging.



Rund um die Independence Hall spürt man trotzdem, warum Philadelphia für die Geschichte der USA so wichtig ist. Hier wird die amerikanische Unabhängigkeit nicht nur als abstrakter Begriff erzählt, sondern liegt räumlich direkt vor einem. Auch Elfreth's Alley gefiel uns sehr. Diese kleine historische Straße wirkt fast wie ein Kontrastprogramm zur großen Stadt: enger, älter, ruhiger und sehr fotogen.
Gerade für einen USA-Roadtrip ist Philadelphia deshalb ein sinnvoller Zwischenstopp. Man kann die Stadt an einem Tag natürlich nicht komplett erfassen, aber man bekommt einen guten Eindruck von ihrer Rolle in der amerikanischen Geschichte. Wer New York und Washington kombiniert, kann Philadelphia gut dazwischenlegen. Bei besserem Wetter und mit etwas mehr Zeit würde ich mir beim nächsten Mal vor allem den Reading Terminal Market in Ruhe, das Liberty Bell Center von innen und vielleicht noch mehr Viertel abseits der historischen Kernzone anschauen.
Zwischendurch liefen wir auch Richtung Delaware River und Spruce Street Harbor Park. Das Wetter wurde langsam etwas besser, aber sonnig wurde es nie. Philadelphia zeigte sich uns eher von seiner grauen Seite. Trotzdem hat die Stadt genug Substanz, dass man auch bei Regen etwas mitnimmt.
Natürlich mussten am Ende noch die Rocky-Statue und die berühmten Stufen am Philadelphia Museum of Art sein. Das ist touristisch, klar. Aber es gehört in Philadelphia einfach dazu. Man sieht Menschen hochlaufen, posieren, lachen, und obwohl man es aus Filmen kennt, funktioniert es vor Ort trotzdem.



Übernachtet haben wir nicht direkt in Philadelphia. Die Preise in der Stadt waren hoch, also buchten wir unterwegs spontan ein günstiges Motel in der Gegend von King of Prussia. Es war nichts Besonderes und etwas verraucht. Ursprünglich hatten wir noch überlegt, abends in eine Sportsbar zu gehen, vielleicht Wings essen und nebenbei Sport schauen. Ich hatte meinem Freund auch Hooters als typisch amerikanische Erfahrung in Aussicht gestellt.
Am Ende holten uns aber die letzten Tage ein. New York, MetLife, Philadelphia, Regen, Mietwagenstress und viele Schritte steckten uns in den Knochen. Wir kamen im Motel an und schliefen einfach ein. Kein glamouröser Abschluss, aber ein ehrlicher. Roadtrips bestehen eben nicht nur aus Highlights. Manchmal endet ein Tag auch einfach in einem günstigen Motel außerhalb der Stadt, weil der Körper sagt: Jetzt reicht es.
Das Motel bei King of Prussia war kein Ort, den ich als Tipp hervorheben würde. Es erfüllte seinen Zweck: schlafen, duschen, weiterfahren. Mehr nicht. Aber genau solche Nächte gehören auf Roadtrips dazu. Man spart Geld, bleibt flexibel und akzeptiert, dass nicht jede Unterkunft eine schöne Geschichte schreibt. Die Geschichte war an diesem Tag Philadelphia, nicht das Motel.
Im Rückblick hätte Philadelphia durchaus mehr Zeit verdient. Die Stadt lag für uns zwischen New York und Washington, also fast wie ein praktischer Zwischenstopp. Dabei ist sie eigentlich ein eigenes Ziel. Mit besserem Wetter hätte ich gerne mehr am Delaware River gemacht, im Reading Terminal Market gegessen und vielleicht auch abends noch eine Sportsbar besucht. Gerade weil die Stadt historisch so wichtig ist, lohnt es sich, nicht nur von Punkt zu Punkt zu laufen, sondern etwas mehr Zeit für die Atmosphäre einzuplanen.
Trotzdem war der Tag wertvoll. Er zeigte eine andere Seite der Ostküste: weniger Hochglanz als Manhattan, weniger monumental als Washington, aber sehr amerikanisch und geschichtlich dicht. Und vielleicht war genau das gut. Nach zwei Tagen New York hätten wir eine weitere perfekte Großstadt-Inszenierung gar nicht gebraucht. Philadelphia war rauer, nasser, etwas anstrengender und dadurch auch ehrlicher.
Für die Route würde ich Philadelphia weiterhin einbauen. Wer wenig Zeit hat, kann die wichtigsten historischen Orte, Reading Terminal Market, Elfreth's Alley und die Rocky Steps an einem Tag schaffen. Wer die Stadt wirklich genießen will, sollte aber mindestens eine Nacht zentraler planen und sich nicht nur vom Wetter treiben lassen. Bei uns blieb es ein intensiver, nicht perfekter, aber sehr passender Roadtrip-Tag.
Afflilate
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